Wie ist das Urteil bei einer konvertierten Schwester, die heiraten möchte und von ihrem Bruder, der auch Moslem ist, daran gehindert wird, weil er der Meinung ist, dass sie damit ihre Eltern unzufrieden stellt. Kann sie anstelle ihres Bruders einen anderen zum Wallī nehmen. Zuhause darf sie momentan auch nicht bleiben, weil sie vor kurzem ihr Gesicht bedeckt hat. Zum Bruder kann sie auch nicht gehen, weil er ihr Vertrauen missbraucht hat, in dem er sie bei vielen Brüdern schlecht gemacht hat, damit sie keinen Mann findet.
Antwort:
Alles Lob gebührt Allah. Und Lob und Heil seien auf Seinen Gesandten.
Erstens: Es ist nicht zulässig, ohne Wallī (Vormund) zu heiraten, weil der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte: „Es gibt keine (gültige) Ehe, außer mit einem Wallī (Vormund).“1
Und der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte auch: „Jede Frau, die ohne die Zustimmung ihres Wallī geheiratet hat, ihre Ehe ist ungültig, ihre Ehe ist ungültig, ihre Ehe ist ungültig. […] Und wenn sie sich streiten sollten, dann ist der Machthaber der Wallī von dem, der keinen Wallī hat.“2
Zweitens: Wenn sich der Wallī jedoch weigern sollte, die Frau, die unter seiner Obhut steht, mit einem geeigneten Mann zu verheiraten, dem sie zugestimmt hat, dann hat er sie von der Heirat abgehalten (al-’Adl). Einige der Gelehrten schreiben jedoch vor, damit es als erwiesen gilt, dass der Wallī sie von der Heirat abhält, dass seine Ablehnung mehrmals stattgefunden haben muss. Wenn der Wallī sich also mehrfach weigern sollte, sie in die Ehe mit einem geeigneten Mann zu geben, dann wird ihm die Vormundschaft aberkannt und auf den nächsten ihrer nahen Verwandten väterlicherseits übertragen, bis es dann am Ende auf den Qādī (Richter) übertragen wird (oder auch auf den Imām einer Moschee, falls sie in einem nicht-muslimischen Land leben sollten).
Ibn Qudāmah, möge Allah mit ihm gnädig sein, sagte in „al-Muĝnī“ (9/383): „Das, was mit der Verhinderung der Ehe (al-’Adl) gemeint ist, ist wenn eine Frau von der Heirat mit einem geeigneten Mann abgehalten wird, obwohl sie mit ihm einverstanden ist und obwohl jeweils der eine, den anderen heiraten möchte. Ma’qal Ibn Yaşār sagte: „Eine Schwester von mir hat einen Mann geheiratet, der sich später von ihr scheiden ließ. Als ihre Wartezeit (’Iddah) vorüber war, kam er zurück, um wieder um ihre Hand anzuhalten. Ich sagte zu ihm: „Sie hat dich geheiratet, wurde intim mit dir und hat dich geehrt, doch du hast dich von ihr scheiden lassen. Und jetzt kommst und willst noch einmal um ihre Hand anhalten? Nein, bei Allah, sie wird nie wieder zu dir zurückkehren.“ Er war ein Mann, mit dem alles in Ordnung war und auch sie wollte wieder zu ihm zurückzukehren. Dann offenbarte der erhabene Allah diese Worte: "[…] so haltet sie nicht davon ab, ihre Gatten zu heiraten."3 Ich sagte: „Jetzt werde ich es machen, o Gesandter Allahs.“ Er sagte: Danach verheiratete er sie mit ihm.“4
Dies gilt auch dann, wenn sie eine Brautgabe (Mahr) in der Höhe haben möchte, die sie vorher bekommen hat oder auch weniger. Dies ist die Ansicht von asch-Schāfi’ī, Abū Yūşuf und Muĥammad.
Wenn eine Frau einen bestimmten Mann, der geeignet ist, heiraten möchte, doch der Wallī sie an jemand anderen, der auch geeignet ist, heiraten will und sich deshalb weigert, sie mit demjenigen zu verheiraten, den sie will, dann ist er auch hier jemand, der sie von der Heirat abhält.
Doch wenn sie fordert, jemanden heiraten zu dürfen, der nicht geeignet ist, dann hat er das Recht, sie daran zu verhindern und ist in diesem Fall auch nicht jemand, der sie von der Heirat abhält.“
Scheich Ibn ’Uthaimīn, möge Allah mit ihm gnädig sein, sagte: „Wenn der Vormund sich weigern sollte, eine Frau in die Ehe mit einem Mann zu geben, der im Hinblick auf sein religiöses Bekenntnis und seinem guten Charakter dazu geeignet wäre, dann wird die Vormundschaft auf den nächsten ihrer nahen und männlichen Verwandten väterlicherseits übertragen, dann auf den Nächsten und so weiter. Wenn sie sich jedoch alle weigern sollten, sie zu verheiraten, was ja auch gewöhnlich geschieht, dann wird die Vormundschaft auf den rechtmäßigen Richter übertragen.
Der rechtmäßige Richter sollte die Frau verheiraten. Wenn solch ein Fall vor dem Richter kommt und er (der Richter) weiß, dass der Vormund der Frau sich weigert, sie zu verheiraten, so ist er dazu verpflichtet, ihre Ehe zu arrangieren, weil er die allgemeine Vormundschaft besitzt, solange die Vormundschaft der Familie nicht gegeben ist.
Die Gelehrten der Rechtsschulen (Fuqahā`), möge Allah mit ihnen gnädig sein, haben erwähnt, dass wenn der Vormund immer wieder geeignete Männer ablehnt, er dadurch zu einem Fāşiq (Frevler) wird, sodass sein gutes Charakter nicht mehr berücksichtigt wird und ihm seine Vormundschaft aberkannt wird. Nach der bekannten Ansicht von Imām Aĥmad, ist er sogar nicht mehr dazu qualifiziert, Gebete zu leiten, sodass es für ihn nicht mehr gültig ist, eine Gruppe von Muslimen im Gebet zu leiten. Dies ist somit eine ernste Angelegenheit.
Wie wir oben bereits erwähnt haben, lehnen manche Menschen, denen Allah die Vormundschaft über eine Frau gegeben hat, die Männer ab, die zu ihnen kommen, weil sie um die Hand dieser Frau anhalten wollen, obwohl sie geeignet sind. Es gibt Mädchen, die schüchtern sind, um zu einem Qādī (Richter) zu gehen und ihn darum zu bitten, ihre Ehe zu schließen. Dies ist etwas, was wirklich passiert. Deshalb sollte die Frau die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen, um herauszufinden, was schlimmer ist: Ein Leben ohne Ehemann und mit einem Vormund, der sie nach seinem Gemütszustand und seinen Gelüsten behandelt, sodass er sie erst dann verheiraten wird, wenn sie bereits ein hohes Alter erreicht hat und nicht mehr unbedingt das Bedürfnis empfindet, heiraten zu müssen, oder, dass sie sich an einen Qādī wendet mit der Bitte, er möge für sie die Ehe schließen, da dies ihr islamisches Recht ist.
Zweifellos ist die zweite Alternative der Ersten vorzuziehen, nämlich, dass sie sich an einen Qādī wenden soll mit der Bitte, er möge ihre Ehe schließen, weil sie dazu berechtigt ist und weil das Einschalten eines Qādī, der diese Ehe dann schließt, auch im Interesse der anderen Frauen ist. Denn dadurch werden auch andere Frauen kommen und das gleiche tun. Außerdem dient das Einschalten eines Qādī auch als Abschreckung für all die Übeltäter, die zu Unrecht die Frauen, über die Allah ihnen die Vormundschaft gegeben hat, von der Heirat mit geeigneten Männern abhalten. Somit dient dieser Schritt drei Interessen:
1. Die eigenen Interessen der Frau, so daß sie nicht ohne einen Mann bleiben muss.
2. Die Interessen der übrigen Frauen, denen dadurch die Türe geöffnet wird, dasselbe zu tun. Denn viele warten auf so einen Präzedenzfall, um ihm dann offen folgen zu können.
3. Es verhindert, dass diese ungerechten Wallīs, denen Allah die Vormundschaft gegeben hat, über das Leben ihrer Töchter und die der anderen Frauen willkürlich entscheiden können.
Es dient aber auch dem Zweck der Umsetzung der Befehle des Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, der ja gesagt hat: „Wenn zu euch jemand kommt, dessen Religion und Charakter euch gefällt, dann verheiratet ihn, und wenn ihr das nicht macht, dann wird es einen Zwietracht auf Erden geben und viel Schlechtigkeit.“
Weiterhin dient es auch dem Interesse der Männer, die um die Hand einer Frau anhalten wollen und sowohl aus der religiösen als auch aus der charakterlichen Sicht geeignet wären.“5
Möge Allah es der Schwester einfach machen und Ihre Not lindern.
Und Allah weiß es am besten.
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1 Diesen Ĥadīth von Abū Mūşa al-Asch’arī haben Abū Dāwūd (2085), at-Tirmidhī (1101) und Ibn Mādjah (1881) verzeichnet und wurde von al-Albānī in „Şaĥīĥ at-Tirmidhī“ als authentisch gestuft.
2 Diesen Ĥadīth haben Aĥmad (24417), Abū Dāwūd (2083) und at-Tirmidhī (1102) verzeichnet und wurde von al-Albānī in „Şaĥīĥ al-Djāmi’“ (2709) als authentisch gestuft.
Was ist das islamisch rechtliche Urteil über die Verwendung der Spirale (IUP - Intrauterinpessar) als Mittel zur Verhütung vor Schwangerschaften, wohl wissend, dass dies nicht bedeutet, dass dadurch die Befruchtung einer Eizelle verhindert wird, sondern es wird verhindert, dass der Embryo sich an der Wand der Gebärmutter festsetzt? Möge Allah euch mit Gutem belohnen.
Antwort:
Alles Lob gebührt Allah. Und Lob und Heil seien auf Seinen Gesandten.
Scheich Ibn ’Uthaimīn, möge Allah mit ihm gnädig sein, sagte: „Was die Muslime tun sollten, ist, so viele Kinder wie möglich zu zeugen, denn dies ist der Befehl, den der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, erteilt hat, als er sagte: „Heiratet liebliche Frauen, die fruchtbar sind, damit ich stolz auf eure Anzahl sein kann.“
Denn die Erhöhung der Zahl der Kinder, erhöht gleichzeitig auch die Größe der Ummah. Und die Größe einer Ummah ist die Quelle des Stolzes, so wie der erhabene Allah gesagt hat, als Er die Kinder Israels ermahnte: "Hierauf geben Wir euch wiederum die Oberhand über sie, und Wir unterstützen euch mit Besitz und Söhnen und machen euch zahlreicher."[al-Işrā` 17:6]. Schu’aib sprach zu seinen Leuten: "[…] und Er euch dann zu vielen machte."[al-A’rāf 7:86].
Niemand kann ernsthaft bestreiten, daß wenn die Ummah groß in ihrer Zahl wird, sie dadurch Stolz und Stärke erlangen kann. Dies steht im Widerspruch zu dem, was von solchen Menschen kommt, die böse Gedanken hegen und behaupten, dass die große Zahl der Ummah die Ursache für Armut und Hunger ist.
Wenn die Ummah sich vermehrt und sich dabei auf Allah stützt und an Sein Versprechen glaubt, als Er sagte, "Und es gibt kein Tier auf der Erde, ohne daß Allah sein Unterhalt obläge."[Hūd 11:6], dann wird Allah für sie die Dinge einfach machen und ihnen aus Seiner Huld heraus ausreichende Mitteln bereitstellen.
Auf dieser Grundlage ist die Antwort auf die Frage folgende:
Eine Frau sollte keine Antibabypillen verwenden, außer wenn die folgenden zwei Bedingungen erfüllt sind:
1. Sie muss darauf angewiesen sein, weil sie krank ist und somit nicht in der Lage ist, jedes Jahr eine Schwangerschaft zu tragen, oder weil sie körperlich schwach ist oder weil andere Gründe herrschen, die für sie schädlich sein können, wenn sie jedes Jahr schwanger wird.
2. Der Mann sollte dazu seine Erlaubnis geben, weil der Mann das Recht darauf hat, Kinder zu haben. Dies muss auch in Absprache mit einem Arzt durchgeführt werden, um herauszufinden, ob die Verwendung dieser Pillen für sie schädlich sein kann.
Wenn diese beiden Bedingungen erfüllt sind, dann ist es für sie in Ordnung, diese Pillen zu verwenden. Das sollte aber nicht dauerhaft geschehen, d.h., sie sollte nicht die Pille deshalb nehmen, um dadurch eine Schwangerschaft dauerhaft zu verhindern, denn dies würde bedeuten, dass die Nachkommenschaft abreißt.“ [Fatāwah al-Mar`ah al-Muşlimah, 2/657- 658].
Hinsichtlich der Schäden, die durch die Verhütung entstehen können, sagte der Scheich, möge Allah mit ihm gnädig sein, folgendes:
„Ich habe bereits von mehreren Quellen gehört, dass die Ärzte sagen, dass sie schädlich sind. Auch wenn wir das nicht von den Ärzten wissen sollten, so wissen wir gewiss von uns selbst, dass wenn man etwas verhindern will, das natürlich ist und das Allah geschaffen und für die Töchter von Adam angeordnet hat, dass dies zweifellos schädlich sein wird. Der erhabene Allah ist weise, Er hat dieses Blut, das zu bestimmten Zeiten fließt, aus einem Grund geschaffen. Wenn wir es mit diesen Arzneimitteln verhindern, dann ist dies ohne Zweifel schädlich.
Ich habe sogar gehört, dass diese Dinge (Pillen) schlimmer sind, als wir anfangs annahmen. Sie können sogar die Gebärmutter schädigen oder Nervenkrankheiten verursachen. Das ist etwas, vor das wir uns hüten sollten.“ [Liqā` al-Bāb al-Maftūĥ, Frage-Nr. 1147].
Scheich ’Abdul-’Azīz Ibn Bāz, möge Allah mit ihm gnädig sein, wurde gefragt: „Was ist das Urteil über das Entfernen der Gebärmutter, um aus medizinischen Gründen, die entweder bereits vorhanden sind oder in der Zukunft auftreten können, da die medizinischen und wissenschaftlichen Mitteln dies so vorhersagen, eine Schwangerschaft zu vermeiden?“
Er antwortete: „Wenn dies erforderlich ist, dann ist es in Ordnung, ansonsten jedoch nicht, weil der Gesetzgeber uns aufgefordert hat, Kinder zu haben und dies zu fördern, um dadurch die Größe der Ummah zu erhöhen. Doch wenn ein notwendiger Grund herrscht, dann ist es in Ordnung, so wie es auch zulässig ist, Mitteln zur Empfängnisverhütung für eine begrenzte Zeit zu verwenden, um sich dadurch einen islamisch legitimen Nutzen zu verschaffen.“ [9/434].
Das, was über die Pille gesagt wurde, kann auch über die Spirale gesagt werden. Es wurde definitiv von den Ärzten bewiesen, dass diese Methode der Empfängnisverhütung Schaden verursacht, vor allem, wenn es kontinuierlich eingesetzt wird. Es ist bekannt, dass die Menstruationsblutung einer Frau, die eine Spirale zur Empfängnisverhütung verwendet, stärker ist als üblich und dass sie ihre Blutung auch zweimal im Monat bekommen kann. Außerdem kann es auch zu Eisenmangel in ihrem Körper führen. Eisen ist jedoch eines der wichtigsten Mineralien, die der Körper braucht. Einige Frauen können auch anämisch werden, wenn sie die Spirale verwenden, da die Zeitspanne, in der sie ihre Blutung haben, größer wird, sodass sie dadurch eine große Menge an Blut verlieren und damit auch eine große Menge an Eisen, der im Körper gespeichert wird. Es wurde auch bewiesen, dass viele Frauen unter Infektionen der Gebärmutter als Folge der Verwendung der Spirale leiden. Außerdem kann eine Frau auch mit der Spirale schwanger werden, so wie es einer Reihe von Frauen geschehen ist.
Meine Mutter ist sehr früh verstorben und sie hat es leider nicht geschafft, die Pilgerfahrt zu machen. Ich würde das gerne für sie übernehmen, Inscha`Allah. Was muss ich beachten?? Danke schon mal Im Voraus.
Antwort:
Alles Lob gebührt Allah.
Es ist für eine Frau zulässig, die Ĥadj sowohl im Namen eines Mannes als auch im Namen einer Frau durchzuführen.
Al-Buchārī (Nr.1513) und Muşlim (Nr.1334) haben berichtet, dass ’Abdullah Ibn ’Abbāş, Allahs Wohlgefallen auf ihnen, sagte: „Eine Frau aus Chath’am kam und sagte: „O Gesandter Allahs, die Pilgerfahrt, die Allah Seinen Dienern zur Pflicht gemacht hat, wurde verkündet, als mein Vater sehr alt war und sich auf dem Reittier nicht mehr festhalten konnte. Darf ich den Ĥadj für ihn vornehmen?“ Der Prophet antwortete: „Ja!“ Und dies geschah während der letzten Pilgerfahrt.“
Ibn Ĥazm sagte in „al-Muĥallā“ (5/317): „Es ist für eine Frau zulässig, die Ĥadj sowohl im Namen eines Mannes als auch im Namen einer Frau durchzuführen. Genauso ist es auch für einen Mann erlaubt, die Ĥadj sowohl im Namen einer Frau als auch im Namen eines Mannes durchzuführen, weil der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, der Frau aus Chath’am erlaubt hatte, die Ĥadj im Namen ihres Vaters durchzuführen und er erlaubte einem Mann, den Ĥadj im Namen seiner Mutter durchzuführen und einem anderen, die Ĥadj im Namen seines Vaters durchzuführen. Es gibt keinen Text, der eines davon verbietet. Der erhabene Allah hat gesagt: "und tut das Gute"[al-Ĥadj 22:77], und das ist etwas Gutes. Es ist für jeden erlaubt, dies im Namen eines anderen zu tun.“
Ibn Qudāmah sagte in „al-Muĝnī“ (5/27): „Es ist für einen Mann erlaubt, die Ĥadj sowohl im Namen eines Mannes als auch im Namen einer Frau durchzuführen. Genauso ist es auch für eine Frau erlaubt, die Ĥadj sowohl im Namen einer Frau als auch im Namen eines Mannes durchzuführen. Dies ist die Aussage der Mehrheit der Gelehrten. Uns ist keine Meinungsverschiedenheit diesbezüglich bekannt, außer der von al-Ĥaşan Ibn Şāliĥ, der es als verhasst (makrūh) ansah, dass eine Frau die Ĥadj im Namen eines Mannes durchführte. Ibn al-Mundhir sagte: „Dies ist ein Verstoß gegen die offensichtliche Bedeutung der Şunnah, denn der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, erlaubte einer Frau die Ĥadj im Namen ihres Vaters durchzuführen.““
Scheich Ibn ’Uthaimīn, möge Allah mit ihm gnädig sein, wurde gefragt: „Ist es zulässig, dass eine Frau, die Ĥadj im Namen ihres Vaters durchführt, auch wenn sie erwachsene Brüder hat?“
Er antwortete: „Es ist für eine Frau zulässig, die Ĥadj im Namen ihres Vaters durchzuführen, auch wenn ihre Brüder erwachsen geworden sind. Sowohl Männer als auch Frauen können als Stellvertreter für andere die Ĥadj durchführen. Daher fragte die Frau aus Chath’am den Propheten, möge Allah ihn loben und Heil schenken, folgendes: „O Gesandter Allahs, die Pilgerfahrt, die Allah Seinen Dienern zur Pflicht gemacht hat, wurde verkündet, als mein Vater sehr alt war und sich auf dem Reittier nicht mehr festhalten konnte. Darf ich den Ĥadj für ihn vornehmen?“ Der Prophet antwortete: „Ja!“ Und dies geschah während der letzten Pilgerfahrt.“
Er (der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken) gab ihr die Erlaubnis, die Ĥadj im Namen eines Mannes durchzuführen, obwohl sie eine Frau war. Es ist für sie aber verpflichtend, dass ein Maĥram sie auf all ihrer Reisen begleitet, ob für die Ĥadj oder für einen anderen Zweck. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Frau zum Ĥadj für sich selbst reist oder im Namen eines anderen.“ [Fatāwah Ibn ’Uthaimīn, 21/247].
Es ist aber Vorraussetzung, dass die Person, die die Ĥadj im Namen einer anderen Person durchführen möchte, für sich selbst bereits die Ĥadj durchgeführt haben muss.
Die Gelehrten des „Ständigen Ausschusses“ haben gesagt: „Es ist keiner Person erlaubt, die Ĥadj im Namen einer anderen Person durchzuführen, bevor er dies nicht für sich selbst durchgeführt hat. Der Beweis dafür ist der Ĥadīth, wo darin Ibn ’Abbāş, Allahs Wohlgefallen auf ihnen, berichtete: „Der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, hörte einen Mann, der sagte: „Hier bin ich! Ich verrichte ihn für Schubrumah!“ Da fragte er, möge Allah ihn loben und Heil schenken: „Wer ist Schubrumah?“ Der Mann antwortete: „Er ist einer meiner Brüder“ oder „einer meiner Verwandten“, worauf der Prophet, möge Allah ihn loben und Heil schenken, entgegnete: „Hast du deinen Pflicht-Ĥadj verrichtet?“, was dieser verneinte, woraufhin er, möge Allah ihn loben und Heil schenken, sagte: „Verrichte zuerst die Ĥadj für dich und dann für Schubrumah!“[von Abū Dāwūd und Ibn Mādjah verzeichnet und von al-Albānī als authentisch eingestuft].“
[Scheich ’Abdul-’Azīz Ben Bāz und Scheich ’Abdullah Ibn Ĝadyān, „Fatāwah al-Ladjnah ad-Dā`imah“, 11/50].
Ich habe ein Anliegen, was mich sehr beschäftigt. Ich hoffe, ihr könnt mir einen Rat geben... mein Freund ist Marokkaner (25 Jahre). Wir sind schon seit 2 1/2 Jahren zusammen. Wir sind auch eigentlich sehr glücklich und wir lieben uns sehr. Das einzige, was immer zwischen uns steht/stand, war sein Glaube.
Er ist sehr strenggläubig aufgewachsen und erzogen worden. Und das respektiere ich auch. Ich finde es gut, dass jemand so gläubig ist... Aber halt bis zu einem gewissen Maß (ich mein damit, dass er mir nicht weh tut). Ich interessiere mich schon seit längerer Zeit für den Islam, lese sehr viel über ihn und informiere mich wo ich nur kann. Ich war auch schon in der Moschee usw. (schon lange bevor ich ihn kannte), nur ist bis jetzt leider noch nichts richtig bei mir angekommen, sodass ich sagen könnte: DAS IST ES. Leider war dies bisher noch nicht so.
Ich bin Deutsche und bin sehr modern aufgewachsen, teile jedoch nicht die Einstellung wie manch andere ,,Deutsche'' wie z.B. immer Party gehen, viele verschiedene männliche Freunde haben, Alkohol trinken usw., das ist irgendwie nicht meine Welt.
Was ich aber eigentlich sagen/fragen möchte... Ich liebe meinen Freund wirklich sehr und ich möchte ihn nicht verlieren. Er stellt mich nun von heut auf morgen vor die Wahl: Entweder wir trennen uns, weil wie wir leben das ist falsch und ich möchte den Islam richtig leben und das geht nur ohne dich, sagt er, oder du lernst den Islam und dann können wir zusammen bleiben (damit meint er aber so wie ich es verstanden habe... nicht mehr sehen aber mich halt sozusagen warm halten, bis ich zu dem Glaube gefunden habe). Ich bin sooo verzweifelt und weiß einfach nicht, was ich machen soll... Einerseits liebe ich ihn und möchte mit ihm Alt werden und andererseits gefallen mir manche Ansichten von ihm einfach nicht.
Ich würde wirklich sehr viele Kompromisse eingehen (fasten, kein Schweinefleisch, beten und vieles mehr…), aber er meinte, im Islam gäbe es keine Kompromisse. Bitte helft mir... Ich habe Angst alleine dazustehen. Ihr müsst auch wissen, dass wir seit dem Zeitpunkt, an dem wir uns kennen gelernt haben, Geschlechtsverkehr hatten und Sachen unternommen haben, wie ins Kino gehen oder schwimmen und so. Nun meint er, geht das alles nicht mehr... Für mich ist das so schwer zu verstehen, dass er mir von heut auf morgen seine Nähe entzieht. Wir lieben uns doch und ich würde ihn auch heiraten wollen. Ich brauche einfach seine Nähe, weil ich ihn auch so kennen gelernt habe. Er tut mir so weh damit und ich bin fast nur noch am weinen. Ich verstehe nicht, wie er einem Menschen so viel Leid zufügen kann, den er doch liebt. Ich frage mich... wäre das im Interesse von Gott?? Bitte helft mir und sagt mir, ob das was er tut mir gegenüber richtig ist....
Antwort:
Alles Lob gebührt Allah.
Allah stellt demjenigen, den Er will, Mitteln zur Verfügung, mit denen er dann zu seinem Glück findet. Vielleicht will Allah, daß du durch diese Person, die dich zum Islam ruft und durch deinen Kontakt, den du zu uns aufgenommen hast, zum wahren Glück im Diesseits und im Jenseits findest.
Der Islam verbietet unerlaubte Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Allah hat die Ehe als legitimes Mittel zur Befriedigung der sexuellen Lust erlassen. Durch die Ehe können ein Mann und eine Frau, eine Familie auf der Grundlage der Gesetze Allahs gründen, sodass auch ihre Kinder dann legitim sind.
Deine „moderne“ Lebensweise, die vielleicht mit einigen Gesetzen Gottes nicht vereinbar sind, darf kein Hindernis für dich sein, in den Islam einzutreten. Du musst als aller erstes damit beginnen, dich aus dieser Situation, in der du dich befindest, zu retten und in das einzutreten, was Allah liebt und Sein Wohlgefallen bringt. Du musst anfangen, an Ihn allein zu glauben (Tauĥīd) und zu bezeugen, dass Muĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken, Sein Gesandter ist.
Dein Zögern gegenüber diesem wichtigen Schritt kann aber auch aufgrund einiger Schwierigkeiten sein, wie zum Beispiel das sich trennen müssen von der Religion, mit der du aufgewachsen bist, oder aus Angst vor der Reaktion deiner Familie und Verwandten, oder auch aus Angst vor Anfeindungen und Kritik von anderen oder auch die Besorgnis über den Verlust einiger weltlicher Vorteile.
Aber all diese Fragen werden leicht zu überwinden sein, wenn du die Hilfe Allahs suchst und dich dafür entschließt, der Wahrheit zu folgen. Die kluge Person ist bereit, Opfer zu bringen und Schwierigkeiten aufzunehmen im Interesse der Wahrheit. Denn die Wahrheit ist ein erstrebenswertes Ziel. Eventuelle Schwierigkeiten werden dadurch einfacher, denn das Ergebnis ist das Glück in dieser und in der nächsten Welt und das Paradies, dessen Breite wie die Himmel und die Erde ist.
Wenn du dann den Islam angenommen hast und der Glaube sich in deinem Herzen verankert hat, wirst du die Möglichkeit haben, mehr über den Islam in Erfahrung zu bringen, sodass du dann automatisch nach den Dingen suchen wirst, die Allah liebt, um sie tun zu können und alles, was Ihm verhasst ist, um sie aufzugeben und zu vermeiden.
Wir raten dir aus tiefstem Herzen, dich für das zu entscheiden, was besser ist für dich und nicht, damit du diesen muslimischen Mann heiraten kannst. Du musst es für dein eigenes Interesse und für dein eigenes Glück und Erlösung von der Strafe und Zorn Allahs tun. Das, was du annehmen sollst, ist nichts anderes als die Religion der vorherigen Propheten. Es ist die Religion von Adam, Noah, Abraham, Moses und Jesus. Alle Propheten haben bezeugt, dass es keinen anbetungswürdigen Gott gibt, außer Allah und sie haben Ihm weder einen Partner, noch eine Frau noch einen Sohn zugeschrieben.
Allah traf mit allen Propheten das Abkommen, dass sie an unseren Propheten Moĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken, glauben müssen und dass sie ihn unterstützen, wenn er im Laufe ihres Lebens geschickt werden sollte. Er gebot ihnen weiter, dieses auch ihren Völkern zu sagen, damit sie es ebenfalls tun. Der erhabene Allah hat die Botschaft von Moĥammad, möge Allah ihn loben und Heil schenken, an die gesamte Menschheit geschickt. Sie wird bis zum Tag des Jüngsten Gerichts gelten, während die Propheten vor ihm jeweils nur an ihr eigenes Volk geschickt wurden.
Darüber hinaus wirst du durch das Annehmen des Islams eine Ehe in Liebe und Harmonie mit deinem Mann führen können (wenn er bei Allah diese verbotene Beziehung aufrichtig bereut, die er mit dir geführt hat und zu einem religiösen Menschen von guten Sitten wird). Es wird keinen Streit darüber geben, welcher Religion die Kinder angehören sollen und die Kinder werden auch nicht das Gefühl haben, dass ein ständiger Konflikt in ihrer Familie herrscht. Denn nur so werden sie aufwachsen können frei von psychologischen Folgen, die sich aus der Differenz der Religionen der Eltern ergeben können.
Andere Leute haben ähnliche Situationen erleben müssen, so wie du sie jetzt auch erlebst, wie in der folgenden Geschichte, die in der Zeit des Gesandten des Islams, möge Allah ihn loben und Heil schenken, geschehen ist. Anaş berichtete, dass der Gesandte Allahs, möge Allah ihn loben und Heil schenken, zu einem Mann sagte: „Werde Muslim.“ Er sagte: „Ich habe das Gefühl, dass ich es nicht will.“ Er sagte: „Werde Muslim, auch wenn du das Gefühl hast, es nicht wirklich zu wollen.“ [dieser Ĥadīth ist verzeichnet bei Imām Aĥmad, Nr.11618 und in „Şaĥīĥ al-Djāmi’“, Nr.974 aufgeführt].
Also zögere nicht! Spurte, bevor deine Zeit abgelaufen ist und der Tod dich ereilt. Wähle den Pfad, der zum Glück im Diesseits und im Jenseits führt. Möge Allah aus dir eine muslimische und rechtschaffene Frau machen, die ein Heim und eine Familie auf der Grundlage des Tauĥīds (Glaube an die Einheit Allahs) und des Gehorsams gründet. Möge Allah dich dabei unterstützen.
Es gibt Menschen, die glauben, dass wenn einige Herrscher große Sünden begehen, wir dazu angeordnet seien, gegen sie zu rebellieren und versuchen sollten, diese Dinge zu ändern, auch wenn zu diesem Zeitpunkt dieser Versuch den Muslimen in diesem Land Schaden bringen wird und dadurch Probleme in der muslimischen Welt entstehen könnten. Was ist eure Meinung dazu?
Antwort:
„Alles Lob gebührt Allah.
Das grundlegende Prinzip der umfassenden Scharī’ah ist, dass es nicht erlaubt ist, ein Übel mit ein größeres Übel zu entfernen. Das Unheil muss mit dem abgewehrt werden, was es entfernt oder zumindest verringert. Das Abwehren des Unheils durch ein größeres Übel ist nach dem wissenschaftlichen Konsens (Idjmā’) der Muslime nicht erlaubt.
Wenn nun diese Gruppe, die das Land von diesem Herrscher, der klaren Kuffr (Unglaube) begeht, befreien will und sie auch in der Lage dazu ist, indem sie dann einen guten und gerechten Führer an seiner Stelle bringt, ohne dass es dabei zu größeren Schwierigkeiten für die Muslime oder zu einem größeren Übel als das Übel dieses Herrschers kommt, dann ist das in Ordnung.
Wenn aber das Rebellieren (gegen die Herrscher) zu größeren Schwierigkeiten, zum Chaos, zur Unterdrückung und Ermordung von Menschen führt, die es nicht verdient haben, ermordet zu werden und zu anderen Formen des großen Unheils, dann ist das nicht zulässig. Vielmehr ist es dann wichtig, geduldig zu sein und (den Herrschern) im Guten zu hören und gehorchen. Man sollte die Führer aufrichtig beratschlagen und für sie um gute Führung (bei Allah) zu bitten. Man sollte sich bemühen, das Unheil zu verringern und das Gute zu steigern.
Dies ist der richtige Weg, der eingehalten werden sollte, weil dies dem allgemeinen Interesse der Muslime dient, und weil dadurch das Unheil verringert und das Gute gesteigert wird. Außerdem bewahrt dies den Frieden und Schutz der Muslime vor ein größeres Übel.“
[Madjmū’ Fatāwah wa Maqālāt Mutanawwi’ah li Şamāĥat asch-Scheich al-’Allāmah ’Abdul-’Azīz Ibn ’Abdullah Ibn Bāz - möge Allah mit ihm gnädig sein, Band 8, S. 202].
Ich will dieses Jahr ‘Āschūrā` fasten. Mir haben nun einige Leute gesagt, dass die Şunnah ist, dass man neben dem Fasten vom Tage ‘Āschūrā` auch den Tag davor (Tāşū’ā`) fastet. Gibt es da eine Überlieferung, dass dies die Lehre des Propheten - möge Allah ihn loben und Heil schenken - war?
Antwort:
Alles Lob gebührt Allah.
’Abdullah Ibn Abbāş – Allahs Wohlgefallen auf ihm – berichtet: „Als Allahs Gesandter - möge Allah ihn loben und Heil schenken - den Tag ‘Āschūrā` fastete und (den Muslimen) auftrug, an ihm zu fasten, sagten sie: „ O Gesandter Allahs, dies ist ein Tag, den die Juden und die Christen ehren.“ Darauf sagte Allahs Gesandter - möge Allah ihn loben und Heil schenken: „Falls wir das kommende Jahr, wenn Allah will, noch erleben sollten, fasten wir den neunten Tag (dazu).“ Und bevor dann das nächste Jahr kam, verstarb Allahs Gesandter - möge Allah ihn loben und Heil schenken.“ [verzeichnet bei Muşlim, Nr.1916].
Asch-Schāfi’ī und seine Gefährten Aĥmad, Işĥāq und andere sagten: „Es wird empfohlen (mustaĥabb), sowohl den neunten als auch den zehnten zu fasten, weil der Prophet - möge Allah ihn loben und Heil schenken - den zehnten Tag gefastet hat und sich vornahm, in Zukunft auch den neunten Tag mit zu fasten.“
Auf dieser Basis gibt es also verschiedene Stufen des Fastens von ‘Āschūrā`. Die niedrigste davon ist, dass man nur diesen zehnten Tag allein fastet. Das, was besser ist, ist wenn man auch den neunten Tag mit fastet. Und je mehr man im Monat Muĥarram fastet, desto besser ist es natürlich.
Fragt man sich aber, welche Weisheit hinter dem Fasten vom neunten und dem zehnten Tag steckt, dann lautet die Antwort darauf wie folgt:
An-Nawawī – möge Allah mit ihm gnädig sein – sagte: „Die Gelehrten unter unseren Freunden und andere sagten, dass es mehrere Gründe für die Empfehlung des Fastens am neunten Tag (Tāşū’ā`) gibt:
Die Absicht dahinter ist, es den Juden in dieser Sache nicht gleich zu tun, die sich lediglich auf das Fasten des zehnten Tages beschränken. Dies wurde von Ibn ’Abbāş berichtet.
Die Absicht war es, den Tag von ‘Āschūrā` mit einem anderen Tag zu verbinden, so wie es ja bekanntlich auch nicht erlaubt ist, den Freitag alleine zu fasten. Wenn man jedoch den Vortag oder den Nachtag mit fastet, dann ist es wieder erlaubt.
Dadurch, dass man den neunten Tag auch mit fastet, läuft man nicht Gefahr, den Tag von ‘Āschūrā` zu verpassen, falls bei der Sichtung des Mondes Fehler unterlaufen sind und der neunte doch der zehnte des Monats war.“
Der stärkste Grund jedoch ist der, dass man dadurch es den Leuten der Schrift nicht gleich macht. Scheich al-Islam Ibn Taimiyah sagte: „Der Prophet - möge Allah ihn loben und Heil schenken – hat in vielen Aĥādīth (Plural von Ĥadīth) verboten, die Leute der Schrift nachzuahmen. Zum Beispiel, sagte er in Bezug auf ‘Āschūrā`:„Falls ich das kommende Jahr noch erleben sollten, dann werde ich den neunten Tag (dazu) fasten.““ [al-Fatāwah al-Kubrah, Teil 6].
Ibn Ĥadjar - möge Allah mit ihm gnädig sein - sagte, indem er den Ĥadīth, „Falls ich das kommende Jahr noch erleben sollten, dann werde ich den neunten Tag (dazu) fasten.“, kommentierte: „Seine Sorge bezüglich des Fastens vom neunten Tag kann so ausgelegt werden, dass er sich nicht allein auf einen Tag beschränken wollte, sondern, er wollte diesen dem zehnten Tag hinzufügen, entweder um damit auf der sicheren Seite zu sein, oder um es den Juden und Christen in dieser Sache nicht gleich zu machen, was am sinnvollsten erscheint. Das ist das, was aus einigen Überlieferungen von Muşlim verstanden werden kann.“ [Fatĥ al-Bārī, 4/245].
Ist es richtig, dass das Fasten am ‘Āschūrā`-Tag die Sünden des vergangenen Jahres auslöscht? Werden alle Sünden ausgelöscht, auch die großen? Was ist der Grund für die Verehrung dieses Tages?
Antwort:
Alles Lob gebührt Allah.
1. Das Fasten am ‘Āschūrā`-Tag löscht die Sünden des vergangenen Jahres aus, denn der Prophet - möge Allah ihn loben und Heil schenken - sagte: „Durch das Fasten am Tag von ‘Arafah hoffe ich, dass Allah die Sünden des vorigen und des folgenden Jahres auslöscht, und durch das Fasten am Tag von ’Āschūrā` hoffe ich, dass Allah die Sünden des vorherigen Jahres auslöscht.“[verzeichnet bei Muşlim, Nr.1162]. Dies gehört zur Großzügigkeit, die Allah uns zuteil werden lässt, und durch die die Sünden eines ganzen Jahres durch das Fasten an einem Tag abgegolten werden. Und Allah ist der Großzügigste.
Der Prophet - möge Allah ihn loben und Heil schenken - achtete daher sorgfältig darauf, am ‘Āschūrā`-Tag zu fasten. Es wurde von Ibn ‘Abbāş - Allahs Wohlgefallen auf ihm - überliefert, dass er sagte: „Ich sah den Propheten - möge Allah ihn loben und Heil schenken - niemals so exakt darauf achten, dass er einen Tag fastete und diesen vor allen anderen bevorzugte, außer am ‘Āschūrā`-Tag und in diesem Monat (Ramadān).“[verzeichnet bei al-Buchārī, Nr.1867].
Und er achtete so sorgfältig auf sein Fasten an diesem Tag, um die Belohnung dafür zu erhalten.
2. Der Grund, warum der Prophet - möge Allah ihn loben und Heil schenken - am Tag von ‘Āschūrā` fastete und auch die Leute dazu ermunterte, wird in einem bei Buchārī (Nr.1865) von Ibn ‘Abbāş - Allahs Wohlgefallen auf ihm - überlieferten Ĥadīth erwähnt: „Der Prophet - möge Allah ihn loben und Heil schenken - kam nach Madīnah und sah die Juden am Tag von ‘Āschūrā` fasten. Er fragte: „Was ist das?“ Sie antworteten: „Dies ist ein guter Tag, dies ist der Tag, an dem Allah die Kinder Israels vor ihrem Feind bewahrte und Mūşa fastete an diesem Tag.“ Er sagte: „Wir sind Mūşa näher als ihr.“ Daher fastete er an diesem Tag und hielt die Menschen dazu an, es ebenfalls zu tun.“
Die Worte „dies ist ein guter Tag“ lauten gemäß der bei Muşlim verzeichneten Wortlaut „dies ist ein großartiger Tag, als Allah Mūşa und sein Volk rettete und den Pharao und seine Leute ertränkte“. Zu den Worten „und Mūsa fastete an diesem Tag“ fügte Muşlim in seinem Bericht hinzu: „aus Dankbarkeit zu Allah fasten wir an diesem Tag“. Nach einem anderen Wortlaut bei Buchārī: „Daher fasten wir aus Respekt“.
Die Worte „und hielt die Menschen dazu an, es ebenfalls zu tun“ lauten gemäß einem weiteren Wortlaut von Buchārī: „er sagte zu seinen Gefährten: Ihr seid Mūşa näher als sie, daher fastet an diesem Tag.“
3. Die Buße für Sünden, die durch das Fasten des ‘Āschūrā` erreicht wird, bezieht sich auf kleine Sünden; große Sünden müssen gesondert bereut werden.
An-Nawawī - möge Allah mit ihm barmherzig sein - sagte: „Das Fasten am Tag von ‘Arafah löscht alle kleinen Sünden aus, mit anderen Worten – es bringt Vergebung für alle Sünden außer für die großen.“
Dann sagte er: „Das Fasten am Tag von ‘Arafah ist eine Sühne für zwei Jahre und der Tag von ‘Āschūrā` ist Buße für ein Jahr und wenn eine Person „Āmīn“ sagt, während die Engel ebenfalls „Āmīn“ sagen, so werden ihre vorherigen Sünden vergeben […]. Jedes der erwähnten Dinge bringt Sühne. Wenn jemand etwas tut, das kleine Sünden auslöscht, dann ist es Sühne für ihn und wenn keine kleinen oder großen Sünden vorhanden sind, wird es ihm als gute Tat verzeichnet und hebt seinen Status […]. Wenn es eine oder mehrere große Sünden und keine kleinen mehr gibt, so hoffen wir, dass es seine großen Sünden verringert.“ [al-Madjmū’ Scharĥ al-Muhadhdhab, Teil 6].
Scheich al-Islam Ibn Taimiyah - möge Allah mit ihm barmherzig sein - sagte: „Die Buße durch Reinigung, Gebet und das Fasten im Ramadān, an ‘Arafah und ‘Āschūrā` bezieht sich nur auf kleine Sünden.“ [al-Fatāwah al-Kubrah, Teil 5].
Ich habe von mehreren türkischen Hoca gehört das man im gebet in Sucud (Niederwerfung) keine Dua machen soll und darf. Stimmt das? Bitte mit ausführlichen beweisen.
Antwort:
Alles Lob gebührt Allah. Und Lob und Heil seien auf den Gesandten Allahs.
Bittegebete sind sowohl in den Niederwerfungen der obligatorischen als auch in den freiwilligen Gebeten erwünscht. Der Beweis dafür ist der Ĥadīth von Abu Hurairah, den Muşlim verzeichnet hat, wo darin es heißt: Der Gesandte Allahs – möge Allah ihn loben und Heil schenken – hat gesagt: „Der Diener ist seinem Herrn in der Niederwerfung (im Gebet) am nahsten, also verrichtet oft die Bittgebete während ihr euch niederwerft!“
Muşlim hat außerdem einen anderen Ĥadīth von Abu Hurairah verzeichnet, wo darin er sagte: „Der Gesandte Allahs – möge Allah ihn loben und Heil schenken – pflegte in seiner Niederwerfung häufig zu sagen:
اللهم اغفر لي ذنبي كله دقه وجله وأوله وآخره وعلانيته وسره.
(„Allāhumma Ĝfir lī Dhanbī Kullahu, Diqqahu wa Djillahu, wa Awwalahu wa Āchirahu, wa ’Alāniyatahu wa Şirrahu.“)
„Allah, verzeih mir alle meine Sünden, die kleinen und die großen, die ersten und die letzen, die offenbaren und die geheimen.“
Es gibt noch zahlreiche Bittegebete für die Niederwerfung, die über den Gesandten Allahs – möge Allah ihn loben und Heil schenken – authentisch überliefert wurden. Diese Bittgebete umfassen sowohl die Niederwerfungen in den obligatorischen als auch in den freiwilligen Gebete. Deshalb sollte ein Muslim seinen Herrn mit den Bittgebeten bitten, die er möchte, sei es bezüglich des Diesseits oder auch des Jenseits.
Achi, kannst du mir Beweise (Ĥadīth) geben, dass Ebu Bekir, Osman Ibn ’Affan und Ömer bin Chattāb gute Moslems waren. Ich brauche die Ĥadīthe für einen schiitischen Freund.
Antwort:
Alles Lob gebührt Allah.
’Alī Ibn Abi Tālib: Zweifellos war der edle Şahābī ’Alī Ibn Abi Tālib – Allahs Wohlgefallen auf ihm – einer der weisesten und entschlossenen Menschen. Er war bekannt für seinen Mut und Tapferkeit gewesen. Er war der erste Jugendendliche, der den Islam angenommen hat. Danach blieb er vor der Auswanderung (Hidjrah) stets in der Nähe des Propheten – möge Allah ihn loben und Heil schenken. Als der Prophet – möge Allah ihn loben und Heil schenken – Mekka verließ, begleitet von Abu Bakr, blieb er zurück und schlief in seinem Bett.
Zu seinen Tugenden gehört auch das, was im folgenden Ĥadīth von Şahl Ibn Şa’d überliefert wurde, der gehört hat, wie der Gesandte Allahs – möge Allah ihn loben und Heil schenken – am Tag von Chaybar sagte: „Ich will die Flagge einem Mann geben, an dessen Hände Allah den Sieg gewähren wird.“ Sie standen alle auf und wollten sehen, wer diese Flagge bekommt. Jeder von ihnen hoffte dabei, dass er die Flagge bekommt. Dann sagte er: „Wo ist ‘Alī?“ Sie sagten: „Er leidet an seinen Augen.“ Er befahl, dass ‘Alī zu ihm gerufen wird. Dann spuckte er in seine Augen und er wurde sofort geheilt, als ob er noch nie ein Problem mit den Augen hatte.“ [verzeichnet bei al-Buchārī, 2942; Muşlim, 2406].
Abu Bakr aş-Şiddīq: So wie ‘Alī – Allahs Wohlgefallen auf ihm – viele Tugenden und gute Eigenschaften hatten, so hatten auch andere Şahābah andere Tugenden und gute Eigenschaften. Zu den Tugenden von Abu Bakr – Allahs Wohlgefallen auf ihm – gehört auch das, was von Abu Sa’īd al-Chudri überliefert wurde, der gesagt hat: „Der Gesandte Allahs – möge Allah ihn loben und Heil schenken – hielt eine Rede, in der er sagte: „Wahrlich, Allah hat einem Seiner Diener die Wahl zwischen der Welt und dem, was sich bei Ihm befindet, gestellt, und dieser Diener entschied sich für das, was sich bei Allah befindet.“ Da weinte Abu Bakr, und wir staunten über sein Weinen, das deswegen ausgelöst wurde, weil der Gesandte Allahs – möge Allah ihn loben und Heil schenken – nur von einem Diener sprach, dem etwas zur Wahl gestellt wurde! Siehe, der Gesandte Allahs – möge Allah ihn loben und Heil schenken – war es, dem die Wahl gestellt wurde, und siehe, Abu Bakr war derjenige unter uns, der es am meisten ahnte. Der Gesandte Allahs – möge Allah ihn loben und Heil schenken – fuhr fort: „O Abu Bakr, weine nicht. Derjenige unter den Menschen, der mir treuen Einsatz mit seiner Person und mit seinem Vermögen leistete, war Abu Bakr. Wenn ich einen besten Freund außer Allah nehmen würde, würde ich Abu Bakr nehmen. Es handelt sich jedoch um die Brüderlichkeit und die Zuneigung zueinander im Islam. In dieser Moschee sollen alle Türen zugemauert werden, mit Ausnahme der Türe von Abu Bakr.“[verzeichnet bei al-Buchārī, 466; Muşlim, 2382].
Eine andere seiner Tugenden ist, dass er den Propheten – möge Allah ihn loben und Heil schenken – während der Hidjrah (Auswanderung nach Medina) begleiten durfte, so wie es der erhabene Allah gesagt hat: "Wenn ihr ihm nicht helft, so hat Allah ihm (schon damals) geholfen, als diejenigen, die ungläubig waren, ihn als einen von Zweien vertrieben; als sie beide in der Höhle waren und als er zu seinem Gefährten sagte: „Sei nicht traurig! Gewiss, Allah ist mit uns!" Da sandte Allah Seine innere Ruhe auf ihn herab und stärkte ihn mit Heerscharen, die ihr nicht saht, und erniedrigte das Wort derjenigen, die ungläubig waren, während Allahs Wort (doch) das hohe ist. Allah ist Allmächtig und Allweise."[at-Taubah 9:40].
Und ’Amr Ibn al-’Āş – Allahs Wohlgefallen auf ihm – hat berichtet, dass der Prophet – möge Allah ihn loben und heil schenken – ihn zum Oberbefehlshaber der Armee von Dhāt aş-Şalāşil ernannte. Er (’Amr) ging zum Propheten – möge Allah ihn loben und heil schenken – und sagte: „Welche Menschen liebst du am meisten?" Er sagte: „’A`ischah!“ ’Amr sagte: „Wen unter den Männern?“ Er sagte: „Ihren Vater (also Abu Bakr)!“ ’Amr sagte: „Wen sonst?" Er sagte: „’Ummar Ibn al-Chattāb!“ Danach nannte er weitere Männer.“ [Verzeichnet bei al-Buchārī, 3662; Muşlim, 2384].
Eine andere seiner Tugenden ist die Tatsache, dass der Prophet – möge Allah ihn loben und heil schenken – ihn am Ende seines Lebens die Gebete an seiner Stelle führen lies, als er krank wurde und danach auch verstarb. Er – möge Allah ihn loben und heil schenken – tadelte jeden, der Einwände gegen diese Entscheidung hatte, indem er sagte: „Teilt Abu Bakr mit, er solle die Menschen im Gebet führen.“ [verzeichnet bei al-Buchārī, 683 und Muşlim, 418].
Zu seinen Tugenden gehört auch das, was von Anaş Ibn Mālik – Allahs Wohlgefallen auf ihm – überliefert wurde. Er sagte: „Der Prophet – möge Allah ihn loben und heil schenken – ging den Berg Uĥud hinauf und in seiner Begleitung waren Abu Bakr, ’Ummar und ’Uthmān. Da bebte der Berg unter ihnen und der Prophet schlug mit seinem Fuß darauf und sagte: „Sei ruhig Uĥud! Denn auf dir befindet sich niemand, außer einem Propheten, einem Wahrhaftigen (Şiddīq) und zwei Märtyrern!“[verzeichnet bei al-Buchārī, 3675].
’Ummar Ibn al-Chattāb: Im Hinblick auf ’Ummar Ibn al-Chattāb – Allahs Wohlgefallen auf ihm, so hatte auch er viele Tugenden und gute Eigenschaften, die durch viele Berichte bewiesen wurden. Zum Beispiel ist berichtet worden, dass Abu Şa’īd al-Chudrī – Allahs Wohlgefallen auf ihm – sagte: „Der Gesandte Allahs – möge Allah ihn loben und heil schenken – sagte: „Während ich schlief, wurden mir die Menschen, in Hemden bekleidet, vorgeführt. Einige trugen sie bis zur Brust, andere kürzer, und mir wurde auch ’Ummar Ibn al-Chattāb in einem Hemd gezeigt, dessen Ende er hinter sich herschleifte.“ Die Leute fragten: „Und wie hast du dies gedeutet, o Gesandter Allahs?“ Er sagte: „Es ist die Religion!““[verzeichnet bei al-Buchārī, 23; Muşlim, 2390].
Abu Hurairah berichtete: „Während wir beim Gesandten Allahs – möge Allah ihn loben und heil schenken – saßen, sagte der Gesandte Allahs– möge Allah ihn loben und heil schenken: „Während ich schlief, sah ich mich im Paradies, wo ich eine Frau erblickte, die neben einem Palast den Wudū` vornahm. Ich fragte: „Wem gehört diese?“ Dort wurde mir gesagt: „Diese gehört ’Ummar.“ Als ich mich an seine Eifersucht erinnerte, lief ich schnell davon!“ Da weinte ’Ummar und sagte darauf: „Dir gegenüber soll ich eifersüchtig sein, o Gesandter Allahs?““[verzeichnet bei al-Buchārī].
Es wurde berichtet, dass ’Abdullah Ibn ’Ummar sagte: „Während ich schlief, wurde mir ein Becher Milch gebracht, von dem ich trank, bis ich sah, dass die Flüssigkeit durch meine Gliedmaßen herausströmte. Ich gab meinen Rest an ’Ummar Ibn al-Chattāb weiter.“ Die Leute, die um ihn herum saßen, fragten: „Und wie hast du dies gedeutet, o Gesandter Allahs?“ Er sagte: „Es ist das Wissen!““[Verzeichnet bei al-Buchārī, 82, Muşlim, 2391].
Zu seiner Tugend gehört auch das, was von ’Ā`ischah – Allahs Wohlgefallen auf sie – überliefert wurde, nämlich dass der Prophet – möge Allah ihn loben und heil schenken – zu sagen pflegte: „In jeder Gemeinschaft gab es Gelehrte (Muĥaddithūn), und wenn es solche Menschen unter meiner Ummah geben sollte, dann ist ’Ummar Ibn al-Chattāb gewiss einer von ihnen.“[verzeichnet bei Muşlim 2398].
’Uthmān Ibn ’Affān: ‘Uthmān Ibn ‘Affān heiratete Ruqaiyah, die Tochter des Propheten – möge Allah ihn loben und heil schenken, vor dem Beginn dessen Prophetentums. Sie starb in einer der Nächte der Schlacht von Badr. Danach verheiratete ihn der Gesandte Allahs – möge Allah ihn loben und heil schenken – mit einer anderen Tochter, Umm Kulthūm, die im neunten Jahr nach der Auswanderung nach Medina verschied. ’Ā`ischah, die Frau des Propheten – möge Allah ihn loben und heil schenken – berichtete, wie der Gesandte Allahs – möge Allah ihn loben und heil schenken – Umm Kulthūm an ‘Uthmān verheiratete. Er sagte zu ihr: „Dein Ehemann ähnelt von allen Männern am meisten deinem Großvater Ibrahim und deinem Vater Muĥammad.“ Die Leute des Wissens kennen niemanden, der außer ihm zwei Töchter eines Propheten geheiratet hatte. Aus diesem Grund erhielt er den Beinamen „Dhu n-Nūrain“ (Besitzer der Beiden Lichter).
‘Alī Ibn Abi Tālib wurde über ‘Uthmān befragt und er antwortete: „Dies war ein Mann, der in der Höchsten Versammlung (der Engel) der Besitzer der Beiden Lichter genannt wurde. Er war der Schwiegersohn des Gesandten Allahs – möge Allah ihn loben und heil schenken – durch zwei Ehefrauen.“
Er gehörte zu den herausragendsten Muslimen der ersten Generation, war einer der ersten Auswanderer und einer der zehn Gefährten, denen das Paradies versprochen wurde.
Es gibt noch vielmehr Beweise, die auf die Tugenden der Şahābah - Allahs Wohlgefallen auf ihnen - hindeuten. Aber die Tatsache, dass einige von ihnen den anderen überlegen waren, ist etwas, was logisch ist und in der Scharī’ah bekräftigt wurde. Es ist keine Frage der Launen und Begierden, im Gegenteil, hier wird auf die Scharī’ah zurückgegriffen, da der erhabene Allah gesagt hat: "Und dein Herr erschafft, was Er will, und wählt. Ihnen aber steht es nicht zu, zu wählen. Preis sei Allah! Erhaben ist Er über das, was sie (Ihm) beigesellen."[al-Qaşaş 28:68].
Nun kehren wir zu den Beweisen aus der Scharī’ah zurück, um den Status der Şahābah - Allahs Wohlgefallen auf ihnen - herauszufinden. Es wurde berichtet, dass Ibn ’Ummar – Allahs Wohlgefallen auf ihm – sagte: „Wenn wir zur Zeit des Propheten – möge Allah ihn loben und Heil schenken – von der Vorzüglichkeit der Menschen sprachen, gaben wir den Vorrang Abu Bakr, dann ’Ummar Ibn al-Chattāb, dann ’Uthmān Ibn ’Affān, Allahs Wohlgefallen auf ihnen.“[verzeichnet bei al-Buchari, 3655]. Nach einem anderen Wortlaut sagte er: „Zu der Zeit des Propheten – möge Allah ihn loben und Heil schenken – haben wir niemanden Abu Bakr gleichgestellt, dann ’Ummar und dann ’Uthmān. Was die restlichen Gefährten des Propheten – möge Allah ihn loben und Heil schenken – anbetrifft, so haben wir zwischen ihnen keine Unterscheidung gemacht.“[verzeichnet bei al-Buchari, 2679].
Das ist das Zeugnis aller Şahābah, das von ’Abdullah Ibn ’Ummar berichtet wurde und wo darin Abu Bakr den Vorrang vor allen Şahābah hatte, gefolgt von ’Ummar und dann von ’Uthmān.
Wenden wir uns jetzt ’Alī Ibn Abi Tālib – Allahs Wohlgefallen auf ihm – selbst zu, um zu sehen, was er zu all dem sagte. Es wurde berichtet, dass Muĥammad Ibn al-Ĥanafiyyah (der ja der Sohn von ‘Alī Ibn Abi Tālib war) sagte: „Ich sagte zu meinem Vater: „Welche Menschen waren die Besten nach dem Gesandten Allahs - möge Allah ihn loben und Heil schenken?“ Er sagte: „Abu Bakr.“ Ich sagte: „Wer dann?“ Er sagte: „Dann ’Ummar.“ Ich hatte Angst, dass er danach ’Uthmān sagen würde, deshalb sagte ich: „Danach du, oder?“ Er sagte: „Ich bin nur einer von den Muslimen.“ [Verzeichnet bei al-Buchārī, 3671].
Es wurde berichtet, dass ’Alī – Allahs Wohlgefallen auf ihm – sagte: „Jeder, der mir gebracht wird und mich ihnen bevorzugt, den werde ich mit der Ĥadd-Strafe für Lügen auspeitschen.“ Scheich al-Islam Ibn Taimiyah sagte: „Es wurde berichtet, dass er auf dem Minbar (Kanzel) von Kufa (Irak) zu sagen pflegte, dass die besten dieser Ummah, nach ihrem Propheten, Abu Bakr war und dann ’Ummar. Dies wurde von ihm in mehr als achtzig Überlieferungsketten (Işnād) berichtet, und es wurde auch von al-Buchārī und anderen berichtet. Daher waren die früheren Schiiten alle darin einig gewesen, dass Abu Bakr und ‘Ummar den Vorrang vor allen anderen hatten. Dies wurde von mehr als einem von ihnen berichtet.“ [Manhādj aş-Şunnah, 1/308].
Es wurde von Abu Djuĥaifah berichtet, dass ‘Alī – Allahs Wohlgefallen auf ihm – auf den Minbar stieg, Allah lobpreiste und den Propheten - möge Allah ihn loben und Heil schenken - lobte und dann sagte: „Der Beste aus dieser Ummah ist nach ihrem Propheten Abu Bakr. Der Zweite ist ‘Ummar – Allahs Wohlgefallen auf ihm – und danach, wer Allah will, dass er gut ist, der wird gut sein.“ [berichtet von Imām Aĥmad in seinem Muşnad, 839. Und Scheich Schu’aib al-Arnā`ūt sagte: „Seine Überlieferungskette (Işnād) ist stark.].
Diese Ĥadīthe des Propheten - möge Allah ihn loben und Heil schenken - und diese Berichte über die Şahābah - Allahs Wohlgefallen auf ihnen - zeugen von dem Glauben der Ahlu ş-Şunnah wa l-Djamā’ah. Es herrscht unter ihnen keine Meinungsverschiedenheit darüber, dass die besten dieser Ummah nach ihrem Propheten Abu Bakr aş-Şiddīq - Allahs Wohlgefallen auf ihn - und dann ‘Ummar - Allahs Wohlgefallen auf alle Şahābah.
Im Bezug auf die Behauptung, dass Abu Bakr und ‘Ummar, ’Alī stets zu fragen pflegten, da sie selbst nicht viel Kenntnis hatten, ist in keinem Bericht bewährt worden. Vielmehr ist bewiesen, dass der Prophet – möge Allah ihn loben und Heil schenken – angeordnet hatte, dass Abu Bakr – Allahs Wohlgefallen auf ihm – die Menschen im Gebet führen sollte, als er vor seinem Tode krank wurde. Der Prophet – möge Allah ihn loben und Heil schenken – hat diese Aufgabe nur einen übermittelt, der Kenntnis über die Regeln des Gebets hatte. Und es ist auch nachgewiesen, dass der Prophet – möge Allah ihn loben und Heil schenken – Abu Bakr – Allahs Wohlgefallen auf ihm – ernannt hat, die Muslime zum Ĥadj, die ja vor der letzten Pilgerfahrt war, zu führen. Und der Prophet – möge Allah ihn loben und Heil schenken – würde kein Mensch für solch eine Position ernennen, wenn dieser nicht der beste Kenner über die Pilgerfahrt wäre.
Es ist sogar berichtet worden, dass ‘Alī einige Ĥadīthe von Abu Bakr – Allahs Wohlgefallen auf sie beide – bezüglich einiger Fragen gelernt hatte. Es wurde auch berichtet, dass Aşmā` Bint al-Ĥakam al-Fazārī sagte: „Ich habe ’Alī sagen hören: „Ich war ein Mann, der wenn er ein Ĥadīth vom Gesandten Allahs - möge Allah ihn loben und Heil schenken - hörte, Allah ihn davon profitieren lies, so viel Er wollte. Wenn ein Mann aus dem Kreis seiner Gefährten mir ein Ĥadīth berichtete, ließ ich ihn dafür schwören. Wenn er schwor, dann habe ich ihm geglaubt. Abu Bakr hat mir ein Ĥadīth übermittelt und Abu Bakr pflegte stets die Wahrheit zu sprechen, dass er den Gesandten Allahs – möge Allah ihn loben und Heil schenken – sagen hörte: „Es gibt keinen Menschen, der eine Sünde begeht, dann aufsteht, sich reinigt und dann betet und danach bei Allah um Vergebung bittet, dem Allah nicht verzeihen würde.“ Dann rezitierte er diesen Vers:"[…] und diejenigen, die, wenn sie eine Abscheulichkeit begangen oder sich selbst Unrecht zugefügt haben, Allahs gedenken und dann für ihre Sünden um Vergebung bitten – und wer sollte die Sünden vergeben außer Allah? – und (die) nicht auf dem beharren, was sie getan haben, wo sie doch wissen."[Āli-’Imrān 3:135].“[verzeichnet bei at-Tirmidhī (Nr.406) und als Ĥaşan eingestuft von al-Albānī in Şaĥīĥ at-Tirmidhī].
At-Tirmidhī (Nr.3682) hat über Ibn ‘Ummar verzeichnet, dass der Gesandte Allahs – möge Allah ihn loben und Heil schenken – sagte: „Allah hat die Wahrheit auf der Zunge von ‘Ummar gebracht und in seinem Herzen.“[als Şaĥīĥ eingestuft von al-Albānī in Şaĥīĥ at-Tirmidhī, Nr.2908].
Und wir haben die Worte des Propheten – möge Allah ihn loben und Heil schenken – über ‘Ummar zitiert: „In jeder Gemeinschaft gab es Gelehrte (Muĥaddithūn), und wenn es solche Menschen unter meiner Ummah geben sollte, dann ist ’Ummar Ibn al-Chattāb gewiss einer von ihnen.“
Der Punkt ist, dass der Glaube der Ahlu ş-Şunnah wa l-Djamā’ah, auf dem sie sich einstimmig beruhen, lautet, dass die besten dieser Ummah nach ihrem Propheten Abu Bakr ist, dann ‘Ummar – Allahs Wohlgefallen auf sie alle.
Scheich al-Işlām Ibn Taimiyah – möge Allah mit ihm gnädig sein – hat gesagt: „Niemand unter den angesehenen muslimischen Gelehrten hat jemals gesagt, dass ‘Alī mehr Kenntnis oder mehr Verständnis über den Islam hatte als Abu Bakr und ‘Ummar, oder auch als Abu Bakr allein. Diejenigen, die behaupten, dass ein Konsens darüber besteht, gehören zu den unwissenden Menschen und zu den größten Lügnern. Vielmehr haben mehr als nur ein Gelehrter den wissenschaftlichen Konsens übermittelt darüber, dass Abu Bakr aş-Şiddīq mehr Wissen hatte als ‘Alī. Zu diesen gehört Imām Manşūr Ibn ’Abdul-Djabbār aş-Şam’ānī al-Marwadhī, einer der führenden Gelehrten der Şunnah und ein Gefährte von asch-Schāfi’ī, der in seinem Buch „Taqwīm al-Adillah ’Alā l-Imām“ erwähnt hat, dass es einen Konsens unter den Gelehrten der Şunnah gibt, dass Abu Bakr mehr Wissen hatte als ‘Alī.
Ich kenne keinen der berühmten Imāme, die bezüglich dieses Punktes anderer Meinung waren. Wie könnte sie auch, wenn Abu Bakr aş-Şiddīq in der Gegenwart des Propheten – möge Allah ihn loben und Heil schenken – Fatāwās gab, Urteile gefällt hat, und Predigten hielt. Dies tat er vor allem, wenn er mit dem Propheten – möge Allah ihn loben und Heil schenken – hinausging, um die Menschen zum Islam zu rufen, und als sie zusammen auswanderten, und am Tag von Ĥunain, und bei sonstigen Anlässen, wo der Prophet – möge Allah ihn loben und Heil schenken – schwieg und das billigte, was Abu Bakr sagte. Niemand anders sonst hat solch einen Status genossen.
Wenn der Prophet – möge Allah ihn loben und Heil schenken – Rücksprache mit den klugen und erfahrenen Männern seiner Gefährten hielt, pflegte er stets Abu Bakr als erstes damit zu konsultieren und dann ‘Ummar. Denn sie waren die ersten, die in der Gegenwart des Propheten – möge Allah ihn loben und Heil schenken – über Fragen des Islams vor dem Rest seiner Gefährten sprechen durften, wie zum Beispiel, als er sie über die Gefangenen von Badr konsultiert hatte. Dort sprach als erstes Abu Bakr und dann ‘Ummar. Das gleiche geschah auch bezüglich anderer Angelegenheiten […].
In Şaĥīĥ Muşlim wird berichtet, dass die Gefährten des Propheten – möge Allah ihn loben und Heil schenken – mit ihm auf einer Reise waren, und er dann sagte: „Wenn die Leute, Abu Bakr und ‘Ummar gehorchen, werden sie rechtgeleitet.“ Und es wurde über Ibn ’Abbāş berichtet, dass er seine Fatāwās stets auf das Buch Allahs stützte. Und wenn er etwas nicht finden konnten, dann auf die Şunnah des Gesandten Allahs – möge Allah ihn loben und Heil schenken. Und wenn er auch dort nichts finden konnte, dann verwies er auf die Fatāwās von Abu Bakr und ‘Ummar. Er pflegte jedoch nicht das gleiche im Bezug auf ’Uthmān und ‘Alī zu tun. Und Ibn ’Abbāş war ja bekanntlich der „Ĥabr al-Ummah“ (der Gelehrte dieser Ummah) und der beste Kenner unter den Şahābah zu seiner Zeit. Er pflegte stetes die Worte von Abu Bakr und ‘Ummar den Worten der andere Şahābah Vorrang zu geben. Es ist authentisch überliefert worden, dass der Prophet – möge Allah ihn loben und Heil schenken – für Ibn ’Abbāş betete und sagte: „O Allah, schenke ihm Verständnis über die Religion des Islam und lehre ihm die korrekte Auslegung (des Qur`ān).““ [Madjmū’ al-Fatāwah, 4/398].
Weiterführende Literatur: „al-Faşl fī l-Milal wa n-Niĥal“ (4/212), „Bal Dalalta“ (S.252) und „asch-Schī’ah al-Imāmiyyah al-Ithnah ’Aschariyyah“ (S.120).
Wir rufen zur Rückkehr zum Qur`ān und zur prophetischen und authentischen Şunnah nach dem Verständnis der rechtschaffenen Vorfahren (Şalaf) – Allahs Wohlgefallen auf sie alle.
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